hier kannst du die "geburt" der friedenstaube zum anlass der "bärner fasnacht 03" nachverfolgen. die vielen bilder benötigen -vor allem bei analogen verbindungen- viel zeit! das lesen des berichtes wird dich fürs warten hoffentlich etwas entschädigen.
für eine kleine rückmeldung bin ich dir dankbar!

"machst du für die bärenbefreiung der fasnacht 03 eine friedenstaube?"
mit dem "ja" begann für mich eine äusserst intensive zeit!
gerne lasse ich dich im nachhinein die geburt der friedenstaube miterleben.
für schülerInnen wird es interessant sein zu sehen, dass nicht nur sie für gestalterische arbeiten planen müssen, sondern dass das eben ein wichtiger schritt jeder gestaltung ist.

wie sieht eine taube denn eigentlich aus? wie ist das skelett beschaffen? ... recherchen im internet und in einschlägiger literatur helfen beim skizzieren erster studien:

eigentlich sollte sich die taube nach den anweisungen der regie zuerst auf den kiosk vis-à-vis des käfigturms setzen, um dann während der bärenbefreiung an einem seil quer über den platz auf die "tischbombe" über dem fussgängerdurchgang des käfigturms zu fliegen. wegen der vielen verspannungen über dem platz wurde dieses vorhaben dann aber fallengelassen.
das vordach über der tramlinie wurde als neue variante vorgeschlagen.

in ersten skizzen versuchte ich die taube kurz nach dem anflug in einer begrüssungspose -mit zum "victory-zeichen" geformtem flügel- festzuhalten. auf diesen skizzen ist die friedenstaube eine botschaftsübermittlerin mit pilotenhelm und fliegerbrille.
diese idee habe ich später fallen lassen.



pläne des turms und im besonderen des vordachs (neigung und dachgrösse) standen mir in keiner phase zur verfügung ... ich musste mich also auf schätzungen verlassen!



kopien von skizzen dienten in späteren phasen auch als gesprächsgrundlage für sitzungen mit dem beigezogenen ingenieur, edwin mauch aus rüfenacht, oder für studien zur befestigung der verhüllung


eine besondere knacknuss bildete das verformen der federn zum "victory-zeichen"...
zeichnen gleich suchen (und finden) !

alle skizzen und vor allem die beiden fotomontagen -als grundlage dienten ein bild vom käfigturm und eines vom drahtmodell- dienten in verhandlungen mit dem hochbauamt des kantons bern, dem ingenieur e.mauch und mit vielen anderen ansprechpartnern als gesprächsgrundlage.
verglichen mit dem resultat wirkt das modell eher gedrungen .

auch die simulation der nächtlichen stimmung durfte nicht fehlen, sollte die taube doch eine innenbeleuchtung erhalten!

trotz der knappen zeit stellte ich ein drahtmodell her ... zeichnen in den raum!
die taube musste vom rückgrat her aufgebaut werden. das grosse gewicht musste später mittels stahldrahtseilen nach oben "abgeführt" werden.
als vorlage dienten mir ansichten vom taubenskelett aus dem internet.

die drahtskizze war nun so weit genug fortgeschritten, dass sie einer kleinen delegation des vereins "bärner fasnacht" (ines, thesi und hannes) vorgestellt werden konnte.
mit stil (fasnachtswein und lachsbrötli) wurde das modell "verabschiedet" ...

eine meiner wertvollsten entscheidungen war, den kollegen bernhard schilling -auch er zeichen- und werklehrer an der nms- zu einer beratung beizuziehen!
neben vielen kleinen tips hat er mich vor allem auf die idee der stützpyramide gebracht... ohne diese skelettartige grundkonstruktion wäre vieles noch viel komplizierter geworden als es sowieso schon war!

die eckplatten für die stützpyramide konstruierte ich als prototypen, setzte sie aber später in die taubekonstruktion ein.
weil mir ja weder die dachneigung noch die dachtiefe bekannt war, mussten alle pyramidenteilstücke zueinander beweglich sein.
eine recht langwierige arbeit, die sich aber dann mehrfach bezahlt machte!

bodenplatte für das verbinden der bodenrohre mit dem rückgrat, einem t-stahl (40/40/4)

faktor 7 !
halb berechnend, halb aus dem bauch heraus, legte ich eine vergrösserung um den faktor 7 gegenüber dem modell fest. die wichtigsten taubenteile konnte ich so direkt vom modell ablesen.
ein dachlattenmodell der stützpyramide lässt ein erstes mal die späteren ausmasse erahnen.
angst und erregung paaren sich: hey, wird das ein ding!

die stahl-bestellung bei otto künzi ag ist aufgegeben... in erwartung der lieferung muss ich mich in der sportwoche mit material aus dem lager des werkraumes aarhof (nms) begnügen: das reicht gerade knapp für den bau des kopfes.

im gegensatz zum modell (hartlöten mit der autogenschweissanlage) kommt jetzt die schutzgas-schweissanlage zum einsatz.
wichtiges hilfsmittel ist der schweisshelm - beide hände sind dadurch frei zum arbeiten!

nun ists endgültig klar: die taube wird gigantisch!


die metalllieferung ist eingetroffen - nun gehts an den rumpf!
stützpyramide, rumpfbogen...

...
verbindungsstäbe zwischen den rundformen (aus 8mm-armierungsstahl)...
der rumpf kommt schnell "in form"

neben formgebenden arbeiten mussten viele details geschweisst werden: hier ein rohrstück, das später die spannseile nach unten aufnehmen soll.

kopf und rumpf ist skizziert! der erste "ausflug" stand an! rein in den rumpf und raus aus der taubenwerft...
schon jetzt war mir klar, dass der hals viel zu lang geraten war...

...gekürzt sieht das ganze schon besser aus!

die "flügel-hand" lag mir schon lange auf dem magen.
erstens musste sie unabhängig vom rumpf zusammengeschweisst werden, und zweitens machte mir der faktor 7 nun ein weiteres mal kopfzerbrechen: das wird ja noch einmal grösser, als meine vorstellung es zugelassen hatte!
aber jetzt gab es kein zurück mehr!

die "flügelhand" ist ausformuliert.
wie kommt dieses ding nur auf den rumpf?

...die neigung gegenüber dem rückgrat stimmte nicht!
eine spezielle stützkonstruktion musste auf den rumpf geschweisst werden. um die montage zu gewährleisten, mussten auch diese stützteile alle auf dem rückgrat verschiebbar sein - viel arbeit, aber auch grosse wirkung!

...dabei natürlich immer die problematik "sicherheit" !
der "lothar-sturm" liess immer wieder grüssen!

eigentlich wäre gerade bei den aufhängevorrichtungen der beizug eines schweissprofis dringend nötig gewesen!
ich sah aus vorsichtsgründen mehrere aufhängungen vor...
später wurden aber alle nicht gebraucht: eine traggurte aus dem profimarkt übernahm die aufgabe der hauptsicherung nach oben.

im besten fall sollten die augen dereinst von innen her, aber auch durch die sonneneinstrahlung, erleuchtet werden. hier machte sich der grosse materialfundus unseres werkraumes wieder einmal bezahlt! aus einem plexiglasabfallstück wurden augsegmente gesägt und mit kabelbindern festgezurrt.

eine innenbeleuchtung wurde gewünscht.
beim elektrogeschäft lutiger wurde ich fündig.
auf anregung -wieder von bernhard schilling- montierte ich später ein zweites paar...
resultat siehe unten!

taubenfüsse aus metall -riesenfinken!

die taube war nun schon seit längerer zeit "fertig" -ich war mir bewusst, dass alle schweissarbeiten vor der "einkleidung" mit stoff beendet sein mussten. fast eine woche lang dauerte dann die arbeit an details (wie z.b. handgriffe für den transport auf den bärenplatz usw.)

jetzt aber war eine grosse aufräum- und reinigungsaktion angesagt!
der weisse geotextil-vlies (wahlen ag und cantamessi ag) wartete bereits auf seinen auftritt...

die bespannung der schwanzfedern und der flügelhand schien mir zwar gelungen... ich war mir aber bewusst, dass das bespannen des rumpfes und vor allem des kopfes so nicht speditiv genug vorsich gehen würde.
ich entschied mich, alle stäbe mit einem band aus dem steiferen vlies zu umwinden, bevor ich dann den stoff mit heissleim darüberspannte. auch dieser entscheid verzögerte zwar das arbeitstempo, stellte sich aber im nachhinein als goldrichtig heraus!

das resultat überzeugte mich, die zeit bis zur bärenbefreiung wurde aber bedrohlich knapp!!!

...immer wieder begrüssten mich am morgen meine am vorabend hinterlassenen taubenteile in verschiedensten stimmungen...

beim bearbeiten der bilder konnte ich es nicht lassen, mit dem photoshop neue szenerien auferstehen zu lassen...

wie würden sich die schweren lampenkörper bei ständiger bewegung (durch windeinflüsse) verhalten?
aus vorsicht fixierte ich die lampen gegenüber dem rump zusätzlich mit schweissstäben.

beim bespannen des kopfes wurde mir so richtg bewusst, dass ich fortschritte gemacht hatte... mir gefiel die form nun schon nicht mehr - allzu gerne hätte ich jetzt den kopf noch einmal neu konzipiert!
aber ich musste nach vorne schauen, -wer würde das am schluss von der strasse her schon bemerken !?

...der erste beleuchtungstest fällt zu meiner zufriedenheit aus! -eine geheimnisvolle stimmung erfüllt kurz vor mitternacht den werkraum...

die beiden folgenden bilder hat mir der kollege urs wenger zugesteckt... auch er wurde am morgen etlichemale von den bizarren taubenerscheinungen überrascht...
danke urs!

nachmittag vor der montage auf dem bärenplatz (5. märz 03):
schlussspurt unter professioneller mithilfe von bernhard und urs...
letzte einkäufe, letzte m2 bespannung...

vielen dank noch einmal!


...urs bei der schienbein-montage !

schon mehrere tage vor der montage wollte ich sichergehen, dass die verankerung in den fenstern des käfigturmes dann auch funktionieren würden.
das system bewährte sich später dann auch.

eine schaltuhr steuert die beleuchtung ... pannen gabs meines wissens nur gerade nach der bärenbefreiung.

die friedenstaube "fliegt" in der nacht vom 5. auf den 6. märz aufs dach des käfigturms!

um 2230 h treffen sich die helferInnen (karin häberli, bernhard schilling, urs wenger und philip salzmann im werkraum, um die letzten vorbereitungen zu treffen. schon um 23 h trifft auch beat mit dem transporter ein.
emsiges treiben im werkraum! alles benötigte werkzeug, leitern, dachlatten ... werden zusammengestellt und aufgeladen.
gegen 0015h ist die taube verladen - auf gehts in richtung bärenplatz!


bernmobil hat für die "taubenhissung das netz nach der letzten tramfahrt abgestellt!
franz frick von der firma "maltech" hat die hebebühne bereits entlang der tramlinie aufgestellt und stabilisiert ... ein ungetüm mit einem tentakelartigen arm!
von der bühne aus kann der arm präzise gesteuert werden!
wir laden die taubenteile einige meter von der hebebühne entfernt ab und beginnen mit der montage...
philip stützt, und stützt, und stützt ... bis die taube am seil hängt!


der kopf passt nicht mehr auf den rumpf!!! eine folge der bänder rund um die stahlstäbe. eine hässliche lücke von fast 20 cm klafft am hals der taube.
schönheitschirurg bernhard holt aus dem werkraum stoffresten und kabelbinder und "näht" die lücke von innen her zu ... kaum jemand wird diesen "fehler" in den nächsten knapp 30tagen von der strasse her bemerken!

die taube hebt ab!

etwas hilflos schwebt die taube am seil...
der "flug" unter diversen verspannungen hindurch erweist sich als viel schwieriger, als angenommen- der vorgang dauert fast 2 stunden!

franz lenkt die hebebühne centimetergenau an lampen und unter verspannungen vorbei. assistiert wird er von "flying karin" alias "häbi"

gespannt verfolgen hannes schnyder und edwin mauch den "flug"...
doch halt! da war die taube ja schon oben - - - wie jungs legten die beiden während der ganzen nacht nämlich hand an, stiegen turmtreppen hoch und wieder runter, überstiegen abschrankungen, warfen seile über tramleitungen, lenkten die taube von der strasse aus am seil unter hindernissen durch... ein tolles team!

geschafft !!!
nach vielen anläufen sitzt die taube sicher auf dem vordach, der lichttest gelingt auch auf anhieb.

00400h: nun auch noch die abdeckung! die vorgesehene variante kann wegen der unvorhergesehenen position nicht klappen!
urs wenger übernimmt die verantwortung für eine einfachere variante - das muss klappen!

die ganze nacht ärgerte ich mich, dass ich nicht daran gedacht hatte, schämpis oder wein bereitzustellen für das "aufrichtefestli"

hannes und ines haben aber vorgesorgt!
ein z'vieri am morgen früh!
herrlich!


bernhard...

flying karin und philip salzmann...

das team der lüfte, franz und karin...

... erschöpft, aber auch erregt von all den ereignissen...

... an alles wurde gedacht!
vielen dank!

... und dann lassen wir alles noch einmal "revue-passieren"




(urs, edwin mauch und franz frick)

... und geniessen das z'vieri und den schaumwein!

6. märz 2000h:bärenbefreiung
... im letzten moment bastle ich für mich noch eine maske, hinter der ich mich verstecken kann...
woher ich die taubenfedern so schnell hervorzaubern konnte?- natürlich aus dem fundus des werkraumes der nms!


... ein leider zu früh erschienener artikel im bund sorgt für heisse köpfe bei den fasnächtlern ... die überraschung ist weg - - - oder doch nicht?

"Der Bund"
Donnerstag, 06.03.2003, Ausgabe-Nr. 54, Ressort Boulevard de Berne

Überstunden gegen den Krieg

Taubenenthüllung an der Bärenbefreiung - ab heute Abend hängt eine riesige Friedenstaube am Käfigturm

Fünf Meter Höhe, vier Meter Länge - so gross hat der Lehrer Peter von Känel seine Taube gar nicht geplant. 150 Stunden arbeitete er am Riesenvogel, der als Symbol für den Frieden für zwei Wochen über den Passanten thront.

• SIMON JÄGGI


Peter von Känel ist im Stress. In wenigen Stunden muss sein Werk fertig gestellt sein. Noch fehlt einiges: Die Füsse sind noch nicht mit Stoff eingepackt, Kopf und Flügel müssen noch montiert werden. Seit fünf Wochen werkelt der Lehrer Peter von Känel in jeder freien Minute an ihr, heute Abend an der Bärenbefreiung wird sie enthüllt: seine Friedenstaube.
«So gross habe ich sie nicht geplant.» von Känel staunt selbst ob dem mächtigen Leib des weissen Vogels. Fünf Meter hoch und vier Meter lang ist die Taube geworden. Bekannte aus der Fasnachtsgesellschaft hatten die Idee dazu und gaben dem Werk- und Zeichnungslehrer der Neuen Mittel * Schule (NMS) den Auftrag. Die Taube wird heute Abend in den Aufführungen zur Bärenbefreiung eine Hauptrolle spielen. Mehr will von Känel aber nicht verraten.

(*korr. vk)

Die Taube macht «Peace»

Zwei Wochen lang wird die Taube auf dem Vordach des Käfigturms über den Passanten thronen, als Mahnmal für den Frieden und gegen einen Krieg in Irak. «Wenn es auf die Grösse ankäme, gäbe es bestimmt Frieden», so Känel. «Nur eine weisse Taube hinzusetzen», war Peter von Känel aber zu langweilig. Deshalb formt der Vogel nun seinen linken Flügel zu einem riesigen «Peace»-Zeichen.

Während der Arbeit habe er viel Zeit zum Grübeln gehabt, sagt von Känel. «Vielleicht bricht der Krieg schon aus, wenn die Taube noch steht.» Er habe leider nicht an der Friedensdemo in Bern teilnehmen können, weil er am Vogel gebaut habe. «Das ist nun mein Beitrag.»

Auf 150 Stunden schätzt der 49-jährige von Känel seinen Arbeitsaufwand. «Zuhause stapeln sich schon die Zeitungen auf der Toilette», sagt er. Zeit zum Lesen bleibe ihm keine mehr. Seit Tagen gehe er nur noch auswärts essen; nach Hause nehme er meist den letzten Bus. Seine Hände zeugen von langen Tagen und Nächten: Schwielen und Brandwunden hat er sich geholt.

Von Känel ist ein engagierter Lehrer. Eigentlich hat er vor drei Jahren sein Pensum verkürzt, um «mehr Zeit für mich zu haben». Doch dazu ist es bisher nicht gekommen. Unter http://www.digitalpodium.ch führt er etwa mit Schülern eine Internetseite, nebenamtlich. Doch wenn er im Werkraum am Aareufer an seiner Taube bastelt, ist er allein. «Die Taube mit den Schülern machen das dauert ein Jahr.»

100 Kilogramm Armierungseisen und 40 Quadratmeter Geotextil-Stoff stecken in dem weissen Vogel. Die Eisenstangen hat der Werklehrer von Hand gebogen, den Stoff mit Heissleim angeklebt. Im Bauch sind vier Lampen befestigt, so dass der weisse Vogel bei Nacht leuchtet. Von Känel: «Das wird ein geheimnisvolles Bild abgeben.»

Neuland für den Werklehrer

«So etwas hatte ich vorher noch nie gemacht», gesteht von Känel. Immer wieder sei er vor neuen Problemen gestanden. Zeit gekostet hätten vor allem die kleinen Details. «Beispielsweise bemerkte ich plötzlich, dass man das Ding ja gar nicht tragen kann.» Darauf musste er noch Griffe anschweissen. Und eigentlich hätte er der Taube noch einen ledernen Pilotenhelm aufsetzten wollen. «Doch dafür reicht es wohl nicht mehr», sagt Peter von Känel und blickt auf die Uhr.

Montage bei Nacht

Gestern Nacht um halb zwölf kamen dann fünf Kollegen mit einem Lastwagen, um den Vogel abzuholen. Das Montieren hatte in der Nacht zu geschehen, weil der Tram- und Busverkehr die Montage verunmöglichen würde. Zudem musste Bern Mobil extra den Strom abstellen. Mit einer Hebebühne wurde die Riesentaube auf die Höhe des Vordachs gehievt und festgezurrt. Stahlseile auf allen Seiten befestigen die Taube. «Das sollte auch starken Wind aushalten.»

«Die Sicherheit ist ein wichtiger Aspekt», erzählt von Känel. Lange Abklärungen zwischen der Fasnachtsgesellschaft und dem Hochbauamt gingen dem Bau der Taube voraus. Der Werklehrer erhielt die Hilfe eines pensionierten Ingenieurs, der die Belastungen durchrechnete. Dieser habe aber keine Bedenken, freut sich von Känel.

«Lindberg-Feeling»

«Zuerst hätte die Taube noch über den gesamten Bärenplatz fliegen sollen», erzählt von Känel. Diese Idee sei aber von der Fasnachtsgesellschaft wieder fallen gelassen worden. «Das wäre wohl nicht realisierbar gewesen.» Dafür fühlt sich von Känel manchmal als Flugpionier:«Wenn ich in das Gerüst steige und die Taube hebe, überkommt mich so ein ,Lindberg-Feeling.» Die Taube auf ihre Flugfähigkeit zu testen, plane er aber nicht.



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[i] Bärenbefreiung, Ychüblete und Enthüllung der Friedenstaube um 20 Uhr auf dem Bärenplatz.
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Der Bär ist los: Im neu erstandenen Fell eines sibirischen Braunbären tanzt der befreite Fasnachtsbär mit Gemeinderätin Edith Olibet.  (Michael Schneeberger)

"Der Bund"
Freitag, 07.03.2003, Ausgabe-Nr. 55, Ressort Boulevard de Berne

Dem Bären eine Taube aufbinden

Gestern Abend hat in Bern die Fasnacht begonnen - die Bärenbefreiung stand im Zeichen des drohenden Kriegs

An der Bärenbefreiung auf dem Bärenplatz in Bern stahl eine riesige Friedenstaube dem Mutzen die Show.

• SIMON JÄGGI

Die schlechte Nachricht zuerst: Ein blau gekleideter Mann, vielleicht ein Beamter, erscheint im Fenster eines Nebengebäudes des Käfigturms und schreit: «Der Bär isch ab!» Der Beamte trägt das schlichte «B» des Verwaltungslogos auf dem Haupt. Nun ist also das Berner Wappentier nicht nur dem Briefpapier der Verwaltung entschwundenen, sondern fehlt auch an der Zeremonie zum Auftakt der Berner Fasnacht. Doch der Bär ist nicht geflohen, um mit der Tradition zu brechen. Er ging, «als er vom Krieg hörte», wie der blaue Mann erzählt.

Ein fehlender Bär...

Nun meldet sich der Narr zu Wort; er sitzt auf einer überdimensionalen Tischbombe. Auch er trauert um den Mutz: «Wäre es nur der Berner Bär, dann wäre es mir ja egal.» Gelächter wallt hoch unter den Schirmen. Hunderte wohnten gestern der Aufführung des Vereins Berner Fasnacht bei, trotz Regen.
Drei Frauen erscheinen, sie singen ein Mani Matter-Lied mit verändertem Text: «Mir heis äs Zündhölzli mitbracht...». Die Brandstifterinnen haben vor, die Lunte der Tischbombe zu zünden.

...eine riesige Tischbombe...

Da rennt ein «Security»-Mann herbei und flucht von «Terroristen» und «Vandalen». Der «Security» versucht, die drei Frauen von ihrem Vorhaben abzubringen. Sonst sprenge es noch den Käfigturm weg, warnt er. «Es gingen doch schon genug Türme in die Luft.» Die Brandstifterinnen sehen es ein und verschwinden. Dafür erklingt Motorenlärm, die Scheinwerfer zünden auf den Käfigturm, wo ein riesiges, weisses Ding verhüllt ist.

... und eine weisse Taube

Die Hüllen fallen: Eine leuchtende Friedenstaube erscheint. Die Menge klatscht. Nur den Security-Mann stört die Besinnlichkeit: «Sämu Schmid, ich brauche eine Abschussbewilligung!» Darauf der Narr: «Es will nicht in alle ,Gringe, dass Tauben Frieden bringen.»
Und dann spricht der Narr mit Pathos den wichtigsten Satz des Abends: «Diesen Mächten, die die Leute zum Krieg aufhetzen, wollen wir drei Tage lang Freude und Lebenslust entgegensetzen.»
Die Tischbombe explodiert dann doch. Anstatt Verwüstung anzurichten, speit sie Silberregen über die Menge. Und siehe da:Nun ist es auch dem Bären friedlich genug. Er platzt aus dem Bauch der Bombe im neuen Fell aus Russland. Gemeinderätin Edith Olibet hat die Ehre, mit dem frisch bezogenen Bär zu tanzen. Die Fasnacht hat begonnen. Die Guggen strömen aus. Und die Taube wacht, dass es friedlich zu und her geht. Wenn nicht in der Welt, dann zumindest an der Berner Fasnacht.


8. märz 03:
die friedenstaube "nimmt die parade ab" (fasnachtsumzug)

"hey, was seh ich denn da? - kollegInnen!"

"na ja, hühner!"

auge in auge mit der friedenstaube ... blick aus dem fenster des käfigturms

20. märz 03: der krieg in irak beginnt!
die friedenstaube trägt trauer... der trauerflor wird von etlichen betrachterInnen nicht als solcher erkannt - zugegeben! das band wirkt in den berner farben fast ein wenig wie ein turnerbändeli oder eine studentenschärpe... (aber hiermit seis allen klargestellt: das ist ein "trauerband")

schülerinnendemo: mehrere tausend schülerinnen strömen unter der "friedenbotschaft" hindurch in richtung englische und amerikanische botschaft

... am abend gefällt mir die taube am besten!

ihr auftritt wurde mit einverständnis der liegenschaftsverwaltung und angesichts der weltlage noch um 2 wochen verlängert - in der nacht vom 31.märz auf den 1. april (das ist kein aprilscherz!) muss sie ihren hochsitz aber endgültig verlassen!

was genau mit ihr dann geschieht, weiss noch niemand so genau. vielleicht findet sie ja noch in letzter minute ein neues wirkungsfeld ?

"Der Bund"
Montag, 31.03.2003, 
Ausgabe-Nr. 75, Ressort Boulevard de Berne

Friedenstaube fliegt weiter

STADT BERN  Zum Auftakt der Berner Fasnacht am 7. März war die grosse, leuchtende Friedenstaube auf dem Vordach des Käfigturms gelandet und hatte dem befreiten Bären fast die Show gestohlen.
Aus Anlass des Kriegsausbruchs im Irak durfte sie länger dort bleiben als ursprünglich vorgesehen. Aber nun muss sie weiterfliegen: In derNacht auf morgen wird Bern Mobil nachts nach dem letzten Kurs das Netz abschalten, und von einer Hebebühne aus wird die Taube sanft auf den Bärenplatz gesenkt und auf einem Lieferwagen abgeführt. Wohin die Reise geht, ist offen, denn die metallene Friedensbotin kennt ihren neuen Bestimmungsort noch nicht.
Sie sucht einen neuen Auftrag oder einen Lagerort, wo sie entweder auf den Einsatz an einem neuen Wirkungsort oder auf den Gang zum Schrottplatz warten kann.
Ernst gemeinte Angebote sind erbeten unter mailto:pvonkaenel@hispeed.ch.
Die Geburt der Friedenstaube ist auf http://www.digitalpodium.ch zu verfolgen. (reb)


montag, 31.märz 03:
heute abend treffen sich die mitglieder der gruppe "bärenbefreiung" in der nms, wo ines siegfried uns das video von tele-bern vorführt.
ein apero auf dem bärenplatz leitet für mich die letzten stunden vor dem taubenabflug ein. etwas nostalgie - gepaart aber mit der freude am erreichten!
bei einem guten essen im restaurant adler wird die fasnacht 03 aus allen blickrichtungen revue-passiert


nach mitternacht treffen sich die helferInnen auf dem bärenplatz.
erst nachdem das netz abgestellt worden ist, schwingen sich marcel von "maltech" und bernhard schilling in luftige höhen und befestigen von der hebebühne aus die taube, kappen stahlseile und entern restliche befestigungen, die von urs und marlies wenger, von philipp salzmann und hannes schnider vorher gelöst worden waren.

... und dann schwebt sie ein letztes mal über dem bärenplatz!

die aktion verläuf diesmal reibungslos...

... touch-down !
da ist sie nun wieder. sie hat zwar etwas rost angesetzt, sieht sonst aber noch ganz rüstig aus.

keiner von uns beiden hätte noch vor einem halben jahr gedacht, dass wir eine so intensive zeit erleben würden.

mission erfüllt!

... letzte aufräumarbeiten...

... beat hat für die taubenbefreiung mit heiminsassen die tischbombe gebaut. nun hilft er uns die taubenteile auf seinen transporter verladen.

... ein eher tristes bild der friedenstaube...
die leiblichen überreste der taube werden vorerst im aarhof gelagert. was dann mit ihr passiert, wird sich weisen. da die taube aber speziell für den sitz auf dem schrägen vordach am käfigturm konzipiert worden war, wird sich ein neuer ort kaum so schnell finden.
immerhin müssten auch diverse anpassungsarbeiten gemacht werden.

zudem kann die freidenstaube stolz sein, überhaupt gastrecht auf dem zentralen podest gefunden zu haben, werden normale tauben doch mit einer serie taubenabweisdrähten ferngehalten.



... mit einem von bernhard gespendeten schämpis verabschieden wir uns (flying karin hat sich entschuldigen müssen, sie zählt aber selbstverständlich auch zur crew!)

... als wäre da gar nichts gewesen!

aber ja!!! sie war da, und ich werde wohl kaum mehr an diesem turm vorbeigehen können, ohne noch schnell an die fasnacht 03 und eben an sie, die friedenstaube , zu denken ... siehst du sie nicht auch immer noch , dort oben?

bevor ich mich verabschiede, will ich an dieser stelle noch einmal allen helferInnen vor und hinter den kulissen ganz herzlich danken!

hannes schnider
ines siegfried
edwin mauch
bernhard schilling
urs u. marlies wenger
philipp salzmann
"flying karin" häberli

franz frick / marcel (?) - maltech
beat (?) transport
bernmobil
polizei
herr fritsche - politforum

gino und reto cantamessi
liliane cantamessi

simon jäggi -der bund

... und allen, die mich in den letzten wochen in irgendeiner weise "aufgestellt" haben.